20.09.14, 13:34, Hastings
Die erste Arbeitswoche liegt hinter uns. Vici und ich haben auf einer Apfelplantage gearbeitet, 25.000 Bäume gibt es dort. Unsere Aufgabe ist es, die Bäume (deren Stamm gerade erst so dick ist wie ein Stock) mit einem Plastikband an Drahtseile zu binden. 600 Stück pro Tag. Alle halbe Stunde kam Gus vorbei, unser Arbeitgeber. Und jedes Mal hat er sich beschwert, dass unsere Knoten nicht fest genug seien. Schon nach dem ersten Tag (bzw nach den ersten Bäumen) hatten wir fünf Blasen an den Händen. Am zweiten Tag musste ich zwei Finger bandagieren weil jede Bewegung wehtat. Am dritten Tag haben sich die Nägel leicht vom Nagelbett abgelöst, ich hätte gerne einen Blogeintrag geschrieben, aber es ging einfach nicht. Außerdem haben wir uns mehrmals mit dem Cutter geschnitten, mit dem wir das Band abgeschnitten haben. So ist das wenn man nicht pro Stunde sondern pro Baum bezahlt wird, man will natürlich so viel wie möglich schaffen. Immerhin, 20 cent pro Baum, also 120$ pro Tag. Damit rückt das Auto langsam in Sichtweite. Gefahren werden wir immer von zwei Mädels, die nebenan wohnen und auch mit uns zusammen arbeiten. Zum Glück dürfen wir beim arbeiten Musik hören, und wir nehmen uns immer Nudeln, Schokolade und Chips mit um den Tag zu überstehen.
Eigentlich geht es die meiste Zeit ganz gut, wenn man einfach versucht so schnell wie möglich zu arbeiten. Wir arbeiten von 7:30 bis 17 Uhr (die letzten Tage haben wir allerdings schon um 16 Uhr Schluss gemacht, die Demotivation........) und machen drei Pausen. Wenn wir es dann endlich geschafft haben, wird der Abend dafür umso schöner. Alle sitzen entspannt zusammen, spielen ein bisschen Gitarre und singen. Vorgestern haben Ilario und Sebi versucht uns einen italienischen Zungenbrecher beizubringen, und wir ihnen im Gegenzug Zehn zahme Ziegen ziehen zehn Zentner Zucker zum Zoo. Und wir haben Irgendwie Irgendwo Irgendwann gesungen, was die Jungs nicht mal aussprechen konnten. Am nächsten Morgen konnten sie sich nicht daran erinnern, so bekifft waren sie. Das ist wie deren Religion, sie beten das Gras förmlich an und wollen alle davonüberzeugen, genau wie vom Vegan sein. Gestern haben wir ein bisschen im Haus sauber gemacht und das fanden sie so nett von uns, das sie im Gegenzug für uns gekocht haben, vegane Lasagne. Dazu haben sie sogar mal den Esstisch leergeräumt, Wein und Servietten gekauft. Aber so ganz überzeugt hat uns die Lasagne dann nicht, es muss schon echtes Fleisch rein. Aber wir haben echt unheimlich Glück gehabt mit unseren Mitbewohnern, vorgestern waren wir abends bei Pizza Hut und es war ziemlich kalt draußen, da haben sie uns mit dem Auto abgeholt weil sie grad in der Nähe waren.
Gestern, am Freitag, hatten wir so ziemlich den härtesten Arbeitstag bisher. Es war zum Ende hin unheimlich heiß, das Tape das wir uns um die Finger gewickelt haben (hat Gus uns freundlicherweise besorgt, um unsere Finger nicht völlig zu zerstören) ist nur noch weggerutscht, Rückenschmerzen haben wir dann auch bekommen, weil manja die ganze Zeit runter gucken muss. Wir haben auch nur 600 jeder gemacht, obwohl wir am Ende eigentlich noch eine halbe Stunde über hatten. Aber wir waren zu erledigt, haben uns nur noch ins Gras fallen lassen. Ich habe mich selten so über das Wochenende gefreut.
Chrissy ist Montag Abend gekommen, sie wohnt auch in unserer "WG". Aber sie arbeitet nicht mit Vici und mir zusammen, sie jätet Unkraut auf einem Zwiebelfeld. Da sie Montag noch nicht gearbeitet hat, ist sie heute, am Samstag noch für ein paar Stunden arbeiten gegangen. Vici und ich waren in der Innenstadt frühstücken (Blaubeere an am es mit Sahne, Sirup, Früchten und gebackenen Bananen, Mjam!) und dann ein bisschen shoppen.
Hastings ist die erste Stadt, in der es eine vernünftige City gibt und nicht nur drei schmuddelige Asiaimbisse und merkwürdige Strickläden. Es gibt viele tolle Klamottenläden (schrecklich wenn man eigentlich Geld und Platz im Rucksack sparen muss...aber wir haben trotzdem beide was gekauft ;) ) und so kleine Kramsläden, in denen es wirklich alles gibt, und zwar sehr billig. Makeup, Schmuck, Kleidung, VERkleidung, Küchenzubehör, Bastelsachen, Kerzen,... Wir lieben diese Läden. Da Sebi Montag Geburtstag hat, haben wir auch gleich Geschenke für ihn besorgt. Wir kennen ihn ja erst seit einer Woche, deshalb waren wir da jetzt nicht so kreativ. Wir haben eine Duftkerze, Rächerstäbchen, eine kleine Leinwand mit Bob Marley drauf, eine "28th Birthday" Tasse und ein Happy Birthday Banner.
Heute Abend geht es nach Napier zum feiern, das kann man hier in Hastings nämlich definitiv nicht. Und morgen wird unser Chilltag, da sind wir uns einig. Die nächste Woche wird anstrenegend genug. Aber wenn wir alle Bäume auf der Plantage verknotet haben, dürfen wir zum Glück etwas anderes machen, Gus meinte er hätte schon was und das wäre einfacher, er hat aber nicht gesagt was. Wenn wir in unserem Tempo weiter machen, müssten wir nächste oder über nächste Woche fertig werden.
Ich bon wirklich froh, das wir hier so lange bleiben können. Wir haben uns total eingelebt, die Wohnung ist nett, die Leute auch, man fühlt sich zu Hause.
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