01.04.15, 00:44, Havelock
Nun wohnen wir eine halbe Autostunde von Blenheim entfernt, in einem winzigen Kaff namens Havelock. Hier gibt es einen (teuren) Supermarkt, einen Takeaway, und ein paar Fischereigeschäfte. Das ganze Dorf lebt von der Muschelfabrik am Hafen, Havelock ist das "World Mussel Capital". Dort arbeiten wir auch.
Das wir an diesen Job gekommen sind, war mal wieder reiner Zufall. Die Leute von der Weinernte haben sich einfach nicht mehr gemeldet, alsao waren wie sehr erfreut, als letzte Woche ein Mädchen aus dem Hostel gefragt hat, ob einer von uns in der Muschelfabrik arbeiten möchte, weil ihre Stelle frei wird. Wir sind also zu der Arbeitsagentur gefahren, die Fabrikstellen besetzt. Dort meinten sie erstmal wir könnten den Job nicht einfach haben weil irgendwie das verspricht, sie hätten da eine Warteliste und Leute die jetzt kommen würden um den Job zu übermehmen. Die sind aber nicht aufgetaucht und deshalb haben wir den Job dann doch bekommen. Wir mussten hunderte von Formularen ausfüllen und sollten am nächsten Tag in die Fabrik fahren, zur Sicherheitseinweisung. Die hat drei Stunden lang gedauert, wir wurden sogar über Verhalten bei Belästigung und Mobbing unter Mitarbeitern belehrt.
Leider hat Chrissy die Tagesschicht und Vici und ich die Nachtschicht, deshalb konnten wir nicht in Blenheim bleiben, wir haben ja nur ein Auto. Vor unserem Umzug haben wir am Freitag noch einen Ausflug in Neuseelands bekanntesten Nationalpark gemacht, den Abel Tasman.
Die Wanderungen dort sind bestimmt auch schön aber wir haben uns für eine Kayaktour entschieden, und waren davon auch total begeistert.
Ich war mit Chrissy in einem Kayak und Vici mit einer Altären deutschen Frau. Zu unserem Erstaunen haben wir das Kayak fahren auf Anhieb hingenommen und waren sogar richtig schnell. Dabei waren wir am Anfang eher skeptisch, weil man im Kayak festgeschnallt ist und wenn man umkippt hängt man unter Wasser und muss sich erstmal losschnallen um an die Oberfläche zu gelangen. Das ist aber glücklicherweise nicht passiert. Unser Guide, eine ziemlich nette Frau, hat sich die ganze Zeit mit uns unterhalten und wir alle waren etwas genervt von den vier anderen Tourteilnehmern, Asiaten, die extrem langsam waren und sich zum Schluss vom Guide ziehen lassen haben, weil ihnen die Arme wehtaten. Wir sind auf jeden Fall durch eine wunderschöne Landschaft gefahren und hatten total viel Spaß am Kayak fahren.
Das letzte Wochenende in der Zivilisation haben wir dann nochmal so richtig genossen und waren Samstag und Sonntag mit ein paar Leuten aus unserem Hostel im "Fairweathers", dem " Turks" von Blenheim. Wir hatten beide Abende total viel Spaß und waren sehr traurig das "Blenheim Backpackers" verlassen zu müssen.
Als wir im "Rutherford Hostel" in Havelock angekommen sind, hielt sich unsere Begeisterung in Grenzen. Unser Zimmer ist winzig, hat nur ein ganz kleines Fenster direkt unter der Decke und das ganze Hostel ist ziemlich dreckig und heruntergekommen. Draußen gibt es zwei Bänke aber gemütlich ist es dort auch nicht.
Gestern hatten wir unseren ersten Arbeitstag. Wir müssen um 24 Uhr da sein, sitzen dann erstmal 2 Stunden in der Cafeteria und warten. (Den Sinn dahinter versteht niemand) zum Glück gibt es eine Kaffeemaschine und einen Colaautomaten, für ausreichend Koffein ist also gesorgt. Um 2 müssen wir dann die 100 Schichten Schutzkleidung anziehen und dann drei Stunden lang die Maschinen putzen. Bezahlt werden wir aber trotzdem für 9 Stunden, was sehr cool ist. Das ist aber auch das Einzige gute, der Job ist nämlich unheimlich anspruchsvoll. Ich wurde gestern so mit Informationen zugedröhnt, was ich wie in welcher Reihenfolge machen muss, das ich fast verzweifelt wäre. Erst geht es in den unteren Raum, dort putze ich mit einer Brasilianerin zusammen (die mir alles erklärt hat) zwei Fließbänder. Die Maschinen müssen erst ausgeschaltet werden (dafür muss man darauf klettern...), dann alles mit Schaum abspritzen, als nächstes !mit einem Lappen alle Flächen reinigen (dabei müssen alle Möglichen Scharniere umgeklappt werden um überall ranzukommen) und dann mit Wasser den Schaum wegspritzen. Für alles gibt es einen speziellen Handgriff den man sich merken soll. Und wehe man über sieht irgendeinen Muschelüberrest, wenn man fertig ist kommen nämlich die Supervisor, überprüfen alles und schreiben sich auf wenn sie noch etwas finden, und dann gibt es Ärger.
In der zweiten Halle ist es noch schlimmer, dort bin ich nämlich allein für vier Maschinen verantwortlich. Dort muss ich erstmal sämtliche Einzelteile abbauen, das sind ungefähr 20. Ich habe nichts davon mehr im Kopf. Dann die selbe Prozedur wie mit dem ersten Fließband, nur dass diese Fließband merkwürdig geformt sind, eins verläuft wie eine Leiter und ich muss ein Gerüst hochklettern um es sauber zu machen. Und zwischendurch muss ich zu einem Touchscreen laufen und dort meine Gerade an und ausschalten. Falls ich dort versehentlich ein falsches Gerät antippe, kann ich damit jeden der dort gerade arbeitet in Lebensgefahr bringen. Und natürlich hatte ich am Ende alles Mögliche über sehen, das hat mir die Brasilianerin aber zum Glück noch gezeigt bevor die Supervisor gekommen sind. Danach war ich total fertig, aber auch aufgedreht. Ich hoffe ich muss heute nicht alles alleine hin bekommen, ich habe mir vielleicht ein sechzehntel der Informationen gemerkt.
(Reihenfolge der Bilder: Park in Blenheim, Kayaktour, Freitag und Samstagabend in Blenheim, Abschied vom Blenheim Backpackers, Havelock, Hostel in Havelock)
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